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Title
MMmmm
Category
Exhibition
Material
-
Collaboration
-
Year
2019

Exhibition curated by Romina Dümler at Künstlerhaus Sootbörn, Hamburg DE.
Participating artists: Liza Dieckwisch, Julia Gruner, Klara Kayser, Ae Ran Kim,
Jungwoon Kim & Klara Paterok.

MMmmm
22.03.2019 – 07.04.2019

Die Ausstellung ,MMmmm‘ vereint Arbeiten von Liza Dieckwisch, Julia Gruner, Klara Kayser, Ae Ran Kim
Jungwoon Kim und Klara Paterok.

Der Titel ,MMmmm‘ ist ein alltäglicher Laut, der auf verschiedene körperliche Reaktionen und damit
einhergehende Emotionen verweist, die in den Arbeiten auf unterschiedlichste Art und Weise verhandelt
werden. ,MMmmm hören wir, wenn etwas besonders gut schmeckt. MMmmm kann aber genauso erotischer
Genusslaut, wie inniger Ausdruck des Innehaltens und Nachdenkens sein.

Die Arbeiten der Ausstellung knüpfen an diese Dimensionen von MMmmm beispielsweise durch die
künstlerische Verarbeitung des Internet-Phänomens ,Mukbang‘ an, bei dem sich Essende beim Verspeisen
riesiger Mengen von Instant-Gerichten filmen und dies live mit ihren Zuschauer/innen teilen. Mit ihrem
Interesse an Materialeigenschaften verschieben Liza Dieckwisch und Julia Gruner dieses kulturelle Phänomen zu
einem ,Artist Mukbang‘. Ihre überästhetisierten Inszenierungen lassen die Ausstellungsbesucher/innen an ihrer
andauernden Esserfahrung teilhaben. Zugleich verfolgen die beiden materialspezifische Untersuchungen von
Konsistenz, Farbe und Veränderlichkeit.

In Klara Pateroks Arbeit treffen Keramikteile und eine sich selbst aufblasende Matratze zusammen. Die weiche
Matratze bettet, funktional zwischen Sockel und Körperunterlage angesiedelt, die bewegte, mehrteilige Struktur.
Deren Farbigkeit und Form lassen Assoziationen mit Körper- genauso wie mit Pflanzenteilen zu und erzeugen
Mischgefühle zwischen luftig, steinhart, weich, organisch, konstruiert.

Jungwoon Kims Installation schafft einen Raum im Raum, der genauso rigide geometrische wie freie Grenzen
besitzt. Damit einher geht eine physische Präsenz und zugleich eine virtuelle Anmutung. Es ist ein Gehäuse,
das der Künstlerin Geborgenheit in einem modernen, nomadisch geprägten Leben, das allzu oft von Instabilität
und Flexibilität geprägt ist, bietet. Während des Eröffnungsabends wird die Installation durch eine Selbstfesselung
der Künstlerin aktiviert.

Nicht zuletzt wird die sprachliche Dimension des Lautes MMmmm in der Ausstellung aufgegriffen.
Am Eröffnungsabend lesen Liza Dieckwisch und Klara Kayser Fragmente aus ihren Gedichtsammlungen,
Theaterstücken und poetischen Lesungen.

Permanent in der Ausstellung zu sehen ist Ae Ran Kims Video ,Er ging im Dunkel‘. Die Künstlerin lehnt sich dafür
optisch an der künstlerischen Décalcomanie-Technik an, um mit sich selbst und einer Off-Stimme in einen Dialog
zu treten. Die Verzahnung der gesprochenen Gedichtzeilen in koreanischer und deutscher Sprache sensibilisieren für
die Diskrepanz von Übersetzungen. Das Video geht in seinem Verlauf in ein abstrakteres Bild, das von durch Wind
bewegten Bäumen ausgeht, über.

Selbst kunsthistorische Bezüge können durch den Titel hergestellt werden: Das 1965 vom Künstler David Medalla
publizierte ,MMMMM-Manifesto‘ imaginiert verschiedene utopische Skulpturen, die lebendig und prozessual geprägt
sind. Umgesetzt wurden solche Visionen von Medalla als flüchtig-prozessuale Schaumplastiken. In Klara Kaysers
hängenden, transluzenten Fotodrucken ‚A series of events, the telephone rings.‘ scheint ein ähnliches, aber
zeitgenössisches Interesse an semi-fluiden Stoffen durch. Kayser präsentiert Hände, die in einer nüchternen
Stockphoto-Ästhetik mit lila Schleim spielen. Die Fotografien halten einen nie wiederkehrenden Zustand des Materials
fest – dahinfließende Momente und ein Versuch sie greifbar zu machen.

Romina Dümler